Aufnahmen, SRF/3SAT

‹aufnahmen› (SF Schweizer Fernsehen/3sat) 4 Kurz-Videos
Intermezzo zwischen Sternstunde Kunst und Philosophie


2006, Four play – Fair play  Trailer 1: ‹Lieben & Leiden›

Dauer: 00 min. 57 sek., Farbe, Stereo Ton, Format: 16:9
Drehort/Location: Hotel ‹Basilisk›, Basel

Trailer 1: ‹Lieben & Leiden›

Wir kennen die Situation: Es ist früh am Morgen, SIE und ER erwachen in einem fremden Hotelzimmer. ER ist schon vor dem Wecker wach geworden, setzt sich im Übergang vom Träumen zum Wachsein auf. möchte berühren, berührt werden, austauschen. SIE wacht nur langsam auf, braucht Freiraum und zögert, wo er rasch han­deln möchte. ER sucht Nähe und Zärtlichkeit, SIE vorsichtige Annäherung und Vertrauen. Der Konflikt in Lieben & Leiden ist etabliert, doch es eskaliert nicht. Die Zuschauer folgen dem Dialog der beiden, aber es ist kein Gespräch, in dem Argumente ausgetauscht und Einigung – oder Nicht-Einigung – erreicht wird, sondern wir hören Satzfragmente, die wie bei einem Ritual wiederholt und fast beliebig miteinander kombiniert werden. Und am Ende bleibt offen, ob die beiden ein Spiel spielen, aus dem Ernst wird, oder ob es von Anfang an ein Spiel war, das ihnen erlaubt, sich auf den Ernst des Liebes­leidens einzulassen.

Schauspieler: Katja Langnäse, Samuel Kübler; Ton/Kamera: Michael Koch; Credits: Megan Terry


2006, Four play – Fair play  Trailer 2: ‹Achtung & Verachtung›

Dauer: 03:52 min., Farbe, Stereo Ton, Format: 16:9
Drehort/Location: Hotel ‹Der Teufelhof›, Basel

Trailer 2: ‹Achtung & Verachtung›

‹Achtung & Verachtung› zeigt eine Konfliktsituation, in der Erniedrigung und Verachtung, Selbst­behauptung und der Kampf um Selbstachtung im Mittelpunkt stehen. In einem anonymen Hotel­zimmer redet ein Paar aneinander vorbei. Es scheint fast, als beobachteten wir zwei Menschen in einer Puppenstube, deren Mittelpunkt ein grosses Bett ist. Sie umschleichen einan­der, gehen aufeinander zu, weichen einander aus. Die Arbeit verwendet Dialogfragmente aus bekannten Kinofilmen wie ‹A Woman Under The Influence› von John Cassavetes, ‹Le Mepris› von Jean-Luc Godard, ‹Lost in Translation› von Sofia Coppola. Frau und Mann sprechen miteinander und benutzen dabei stereotype Sätze, wie sie in jedem x-belie­bigen Streit ausgesprochen werden könnten. Ihre Argumente unterbrechen einander, überwältigen einander, fliessen ineinander über. Das wechselnde Tageslicht zeigt: Diese Begegnung zieht sich über mehrere Stunden hin. Und vor den Augen und Ohren der Zuschauer entsteht ein Mosaik aus Bewegungs- und Gesprächsfragmenten, deren Lücken sie mit Bildern aus der eigenen Erinnerung füllen.

Schauspieler: Katja Langnäse, Samuel Kübler; Ton/Kamera: Michael Koch


2006, Four play – Fair play  Trailer 3: ‹Traum & Wirklichkeit›

Dauer: 02:04 min., Farbe, Stereo Ton, Format: 16:9
Drehort/Location: Hotel ‹Ramada Plaza›, Basel

Trailer 3: ‹Traum & Wirklichkeit›

Liebende, die warten, leben gegen die Zeit. Ihr Warten ist Bedingung und äusserer Umstand, ist hinderlich und unbequem. Die Zukunft ist Traum. Der Wunsch, sich einan­der mitzuteilen, und wenn’s sein muss schriftlich, wächst proportional zur Distanz. Dabei legen sich die Zeiten quer: Im Moment des Schreibens ereig­net sich das Erlebte «jetzt» – beim Lesen ist es «vorbei». Gedanken werden zu Sätzen, wer­den Geschichte, deren Gegenwart rekonstruiert werden muss, um das Gesagte erfassen zu können. Zwei sind im selben Raum. Sind distanziert. Dann plötzlich beieinander, ein lei­denschaftlicher Kuss, eine enge Umarmung. Dann wieder Distanz, Getrenntsein, Einsam­keit. Und bald wieder erneutes Küssen, erneute Berührung. Traum & Wirklichkeit verschlingt beides miteinander: Welches ist der Traum, welches die Wirklichkeit? Ist es die gedachte Nähe, die eine Trennung überhaupt erträg­lich macht, oder ist es die gewünschte Distanz, die eine Verschmelzung zulässt? «Weg­fahren, um ein Stück vorauszugehen, oder um wiederzukommen» steht unter einem der Bilder.  

Schauspieler: Katja Langnäse, Samuel Kübler; Ton/Kamera: Michael Koch


2006, Four play – Fair play  Trailer 4: ‹Kommen & Gehen›

Dauer: 02:47 min., Farbe, Stereo Ton, Format: 16:9
Drehort/Location: Hotel ‹Krafft›, Basel

Trailer 4: ‹Kommen & Gehen›

‹Kommen & Gehen› etabliert eine scheinbar klassische Situation, um sie anschliessend in ihre Einzelteile zu zerlegen, die dann gegeneinander verschoben werden. SIE kommt mit Gepäck, durchquert den Raum, blickt vom Balkon. Harter Schnitt. ER kommt mit Gepäck, durchquert den Raum, schliesst die Balkontür. Harter Schnitt. Geschieht dies alles in derselben Zeit? Begegnen die zwei einander? Die Texte, als Laufband quer durchs Bild gezogen, beantworten diese Frage nicht. Sie könnten Worte sein, die man face-en-face ausspricht, ebenso gut aber auch Briefe, SMS-Mitteilungen, die auf eine Antwort warten. Die Zeit ist im Zimmer: die gleichzeitige, die erinnerte und die herbeigesehnte Zeit. Die Handlungen der beiden durchschlingen einander, bilden Schlaufen, laufen mit und gegeneinander. Begegnung findet statt, doch könnte es auch eine projizierte Begegnung sein: «So würde SIE, so würde ER sich verhalten, wenn ER, wenn SIE jetzt bei mir wäre.» Sie sind miteinander, egal in welcher Zeit.

Schauspieler: Katja Langnäse, Samuel Kübler; Ton/Kamera: Michael Koch

Credits:
SF Schweizer Fernsehen ‹aufnahmen›
Fachausschuss Audiovision & Multimedia der Kantone Basel Stadt und Basel Landschaft
Migros Kulturprozent, Bern