Diamond in the Sky

Diamond in the sky

2016, Leuchtkasten

Leuchtkasten 88 x 88 x 10 cm (H x B x T), Aluminium, Duratransfolie auf Plexiglas vor FL-Tageslicht-Flächenleuchte
Aufnahme Ort/Location: Port de Sidi Ifni, Maroc
Auflage: Unikat

‹Diamond in the sky› in ‹semantic RIOTS› Ausstellungsraum Klingental Basel

Drehort/Location: Port de Sidi Ifni, Maroc

‹Nouvelle Imprimerie de Montmartre, Depot légal 1965›

Hoch oben im Raum schwebt das verrostete Gitterwerk einer Seilbahnkabine. Teil eines grössenwahnsinnigen Art-Déco Projekts, bei dem ein fehlender Hafen durch eine riesige Seilbahnkonstruktion aufs Meer hinaus ersetzt wurde, ist sie letzter Zeuge eines gescheiterten Besatzertraums. Was geblieben ist, sind Licht, Luft, Transparenz. Die Besatzer sind verschwunden, die Hafenarbeiter auch. Und die verlassene Kabine ist zur reinen Form geworden.

«Sprachliche Zuschreibungen sind allgegenwärtig und ein Grundstein unserer Kommunikation. Sie sind aber nicht bloss Worte, sondern Handlungen, die dem Bezeichneten einen Platz in unserem sozialen Gefüge zuweisen. Nicht selten sind sie diskriminierend, limitierend und gehen oft fehl. Besonders gut lässt sich dies in Zusammenhang mit der aktuellen Migrationsbewegung in Europa beobachten. Das breite Spektrum der Medienbilder und sprachlichen Projektionen unterstützt populistische Rhetorik und schafft Ausschlusskriterien und Stigmatisierungen für die Geflüchteten.Das Ausstellungsprojekt ‹semantic RIOTS› wird kuratiert vom Leipziger ‹Бükü – Büro für kulturelle Übersetzungen› und widmet sich den Sprech- und Bildakten, die mit den aktuellen Migrationsbewegungen in Europa einhergehen. Der Titel der Ausstellung ‹semantic RIOTS› verweist zum einen auf unser komplexes Kommunikationssystem und ist gleichzeitig ein Appell an unsere Sprachen selbst, eigene Mechanismen der Bedeutungsproduktion zu hinterfragen. Die Formulierung des Philosophen Ludwig Wittgenstein «als ob mit dem Akt des Benennens schon das, was wir weiter tun, gegeben wäre» [*] nimmt das Projekt als These auf, um diverse Mechanismen hinter dem scheinbar harmlosen Prozess des Sprechens aufzudecken. Das Sprechen in Worten und Bildern verstehen wir demzufolge als eine Handlung, die die Kraft besitzt, die Realität zu verändern. Sollte nicht allem voran unsere Sprache heutzutage auf die Barrikaden gehen?Die Ausstellung lädt KünstlerInnen aus Basel, Beirut, Bilbao, Kiew, Leipzig, Moskau und Sankt-Petersburg ein, über gescheiterte Übersetzungsversuche und bildliche Missverständnisse in unterschiedlichen Kulturkreisen nachzudenken. Es werden ältere sowie neu für die Ausstellung produzierte Videoarbeiten, Installationen, Malereien, Collagen und Skulptur gezeigt, die zum kritischen Nachdenken über unsere eigenen (u.a. visuellen) Sprachen einladen. Der Komplexität dieser sprachlichen Handlungen ist dabei kaum beizukommen, jeglicher Versuch schon im Vornherein zum Scheitern verurteilt. Doch gerade darin liegt die Hoffnung, dabei die Mehrdeutigkeit jedes Bildes, jeder sprachlichen Zuschreibung und jeglicher Phänomene, die damit in Verbindung stehen, aufzudecken.»

Kristina Semenova und Olga Vostretsova (Text der Kuratorinnen zur Ausstellung ‹semantic RIOTS›, Basel 2016)