Embraced by the monsoon

Embraced by the monsoon

2015, Single Screen Video

Single Screen Projektion als Loop, Dauer: 08:57 min., Farbe, Stereo Ton, Format: 16:9
Full HD Projektor, Subwoofer, Aktiv Audio Boxen, BrightSign
Drehort/Location: East Nusa Tenggara/Indonesia
Auflage: 3 + 1 AP
Ex.1 ‹Embraced by the monsoon› befindet sich im Besitz der Sammlung des Kunstmuseums Thun


‹Embraced by the monsoon› Kunstmuseum Thun

Here we have the panorama, the rain, and the time.

Helllichter Tag. Eine Insel, davor ein natürlicher Hafen, zahlreiche Boote. Weit hinten ein Nebelfeld. Dies alles wird im Verlauf der nächsten neun Minuten verschwunden sein. Vom Horizont her nähert sich mit Getöse eine riesige Regenwand und verschluckt die Insel, die Boote, den Hafen. Am Ende bleibt nur der Regen. Aber wir sehen keine umherfliegenden Palmen, keine sinkenden Kutter, keine drohenden Wellenkämme, sondern nur eine immer dichter werdende weisse Fläche. Auf diese Leinwand könnten wir Bilder von Tsunamis und Taifunen projizieren. Oder den Zauber des Verschwindens.

«Die Videoarbeiten der in Basel lebenden Künstlerin Bettina Grossenbacher fordern Zeit ein – Zeit zum Betrachten und zu verstehen, was sich nach und nach vor dem Auge entwickelt. Viele Arbeiten von Grossenbacher, ob als Video oder als Fotografie ausgeführt, erscheinen im ersten Moment unspektakulär. Und doch zeigen sie auf leise, subversive Art Erstaunliches und Fantastisches. In ihrer Arbeit ‹Embraced by the monsoon› fokussiert die Künstlerin mit fester Kameraeinstellung und einem unveränderlichen Blick eine scheinbar alltägliche Situation: Man sieht eine Bucht, vielleicht im fernen Asien, und ein zentrales Bergmassiv, vor dem Fischerboote sanft im Wasser schaukeln. Der Ton, der originalen Situation entnommen, begleitet die ruhige Situation, die sich plötzlich zu verändern scheint. Ein für die Gegend typischer Monsoon Regen kommt auf, ein heftiger Wetterumschwung, nicht zu vergleichen mit mitteleuropäischen Regengüssen.

Berg und Schiffe, soeben noch zu sehen, verschwinden, bis alles in ein diffuses Grau getaucht wird. Was eben noch klar und deutlich war, hat sich innerhalb weniger Minuten in etwas Un-Sichtbares verflüchtigt.

Immer wieder sind es solche rätselhaften und geheimnisvollen Momente, die Bettina Grossenbacher mit ihren Arbeiten aufspürt, wie etwa auch bei ihrer Videoarbeit ‹16º12’N/22º51’W›, als die Künstlerin mit fester Kameraeinstellung ein Schiffswrack filmte, das 1968 auf den Kapverdischen Inseln gestrandet war und seitdem durch die Meeresbrandung zersetzt wird. Das Fantastische liegt im Einfangen des Alltäglichen und im Beleuchten einer Situation, die real gegeben ist, sich im Laufe der Zeit ändert und Zeit beim Betrachten einfordert.»

Ines Goldbach, Direktorin (Text zur Ausstellung ‹Illuminate the Space›, Kunsthaus Baselland 2015)