Weil ich dich anschaue

Weil ich dich anschaue

2007, Single Screen Video

‹Love in the age of postponed democracy, the critical crisis
Was kann Liebe heute (nicht mehr)?› Ausstellung Kunsthalle Luzern

Single Screen Projektion als Loop, Dauer: 05:34 min., Farbe, Stereo Ton, Format: 16:9
HD Projektor, Aktiv Audio Boxen, BrightSign
Drehort/Location: Hotel ‹Der Teufelhof›, Basel)
Auflage: 3 + 1 AP

Ein Paar im Hotel. Sie reden aneinander vorbei, umschleichen einander, gehen aufeinander zu, weichen einander aus. Sie sprechen stereotype Sätze, wie sie in jedem x-beliebigen Streit ausgesprochen werden könnten. Wir erkennen Dialogfragmente aus Kinoklassikern wie ‹A Woman under the Influence› von John Cassavetes, ‹Le Mépris› von Jean-Luc Godard oder ‹Lost in Translation› von Sofia Coppola. Argumente und Gegenargumente fliessen ineinander über, und das wechselnde Tageslicht zeigt uns: diese Begegnung zieht sich über Stunden hin.

Die Zuschauer erleben eine Konfliktsituation, in der Missverständnis, Selbstbehauptung, Erniedrigung und das Bemühen um Selbstachtung die Themen sind. Der Handlungsraum der Protagonisten ist stark eingeschränkt, ein Hotelzimmer, geprägt von Funktionalität und Emotionalität. Dialog und Handlung sind geprägt von der physischen Begrenzung und dem Fremdsein im Raum, die Narration wird komprimiert und überhöht. Die Quadrage spiegelt den physischen Raum und ist exakt konstruiert: bewegtes Bild/stumme Handlungsabläufe und stehendes Bild/weisse Zwischenbilder mit Dialog wechseln einander ab.

Es geht aber nicht um eine «wirklichkeitsgetreue» Rekonstruktion von Ereignissen, die man in einem Hotelzimmer antreffen könnte, sondern um eine Komposition, die zwischen Film und Standbild oszilliert, in der Erinnerung und Fiktion einander durchdringen. In diesem Eingeschlossensein sind alle Wege kurz, alle Bewegungsmöglichkeiten reduziert. Wo es keine Distanzen gibt, ist jede Eile überflüssig.
 
Schauspieler: Katja Langnäse, Samuel Kübler; Kamera/Ton: Michael Koch; Licht: Fortunand Gartmann, Hanspeter Wieland
 
Credits: SF Schweizer Fernsehen ‹aufnahmen›; Fachausschuss Audiovision & Multimedia der Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft; Migros Kulturprozent, Bern